Sitzung Gestaltungskommission 08.03.2019

Gestern wurde wieder öffentlich über Bauprojekte in Dresden gesprochen, diksutiert und empfohlen. Wir waren dabei und geben euch einen kurzen Überblick über die vier Tagesordnungspunkte.

TOP 1 – Lingnerstadt – Südspitze

Die Spitze der neu zu bauenden Lingnerstadt an der Zinzendorfstraße/ Ecke Bürgerwiese wird überraschenderweise nicht von Architektenkooperative um Peter Kulka geplant. Die Architekten Preißler und Stuhr stellten einen Gebäudekomplex mit drei Häusern vor, welche aus einem spitz zulaufenden Objekt und zwei anschließenden Häuserflügeln besteht. Eine offensichtliche Herausforderung, denn man merkte den Herren an, dass sie einige Probleme zu bewältigen hatten. Neben Tiefgarage und ihre Einfahrt, unter anderem auch die widersprüchliche „Zusammenarbeit“ im Vorfeld mit dem Stadtplanungsamt. Das vorgestellte Ergebnis entspricht nämlich weniger dem der Architekten als vielmehr dem Interventionsbestreben von Amts wegen. Was vorgestellt wurde war Langeweile in Cappucinofarbe. Ein alltäglicher 08/15 Bau, wie ihn Dresden an jeder zweiten Ecke zu stehen bekommt. (Siehe verlinkter Artikel)
Das sah dankenswerter Weise auch die Gestaltungskommission so. Besonders angemerkt wurde, dass zwar zwei Architekten an der Arbeit mitgewirkt haben, man dies aber keineswegs beim Betrachten nachvollziehen kann. Gleichwohl sind es zwar drei Gebäude, aber tatsächlich nur zwei Architekturen wobei sich eine (die der Flügelbauten) unnötigerweise wiederholt. Auch die Orientierung in der Waagerechten wirkt im neuen Viertel gänzlich unpassend und als Auftaktgebäudekomplex für die gesamte Lingnerstadt als ein unglaubliches Understatement.
Unserer Ansicht nach muss nachgebessert werden. Die Spitze braucht eine kräftigere und attraktivere Aussage, wobei der Wunsch nach einer gastronomischen Nutzung im EG durch den Bauherren bitte beibehalten werden soll. Gleichzeitig braucht der Frontbau mehr Stabilität und Struktur, welche das Streben nach oben, als auch das Einladen in das neue Viertel gleichermaßen repräsentiert. Es darf an dieser Stelle nicht weniger als Repräsentativarchitektur entstehen. Die Flügel brauchen eine Differenzierung in der Vertikalen und sich vom voneinander gänzlich unterscheider. Der Bauherr zeigte sich offen für diese Art der Verbesserung, die er auch gegen die nivellierenden Wünsche des Stadtplanungsamtes mit Unterstützung der Gestaltungskommission gern ins Feld führen möchte. Die Idee der Nutzung von Objekten aus dem Lapidarium ist ein nettes Schmankerl, welches wir schon seit Jahren immer wieder vorschlagen.

https://www.tag24.de/nachrichten/zinzendorfstrasse-ecke-buergerwiese-baukomplex-hochhaeuser-streit-kommission-kritik-dresden-996881

TOP 2 – drei neue Baukörper am „Hainpark“

An der Theresienstraße/Ecke Hainstraße in der Inneren Neustadt (Im Rücken des Hotel Bayerischer Hof) sollen drei Gebäude neu entstehen, die sich zum kleinen Park orientieren sollen. bhss – Architekten stellten drei Gebäudekubaturen vor, die sich ebenfalls aus dem ewig langweiligen Portfolio ein und desselben Architektenzirkels zu generieren schienen. Typische Kuben mit den typischen Cappucinobraun/-grau Farbgebungen und für das Gebiet gänzlich untypisch, aber nicht unerwartet: Flachdächern. Besonders bemerkenswert war, wie sich Architekt und Bauherr in einem Werbemodus für Flachdächer und Staffelgeschossen versetzt sahen. Mit stetigem Hinweis, dass für diese Form der Bauausformung starker Rückenwind aus dem Stadtplanungsamt vorhanden sei. Man entspricht damit den Wünschen die von Amts wegen aus den Vorbesprechungen geäußert worden waren. Eine neue Qualität nahm diese Werbeveranstaltung an, als man Staffelgeschosse als „Belvedere“ verkaufen wollte. In Summe konnte man nur feststellen: Drei Gebäude die sich viel zu ähnlich sind, gar gleich aussehen und unverständlicherweise Flachdächer propagieren.
Das sah am Ende auch die Gestaltungskommission so. Erster Einwurf: Man stelle sich an diesen Ort und drehe sich 360° – man entdeckt kein einziges Gebäude ohne richtiges Dach – meist Zeltdächer. Warum, so die Frage, sollten Neubauten in diesem Gebiet plötzlich als einzige keines haben? Forderung, die wir unterstützen: Dachform nur Spitz- oder Zeltdach! Flachdach ausgeschlossen! Gleiche Argumentation, anderes Thema: Kein Gebäude gleicht in diesem Gebiet dem anderen. Warum sollten jetzt Neubaukopien dieses spezielle, klassizistische Ensemble mit Monotonie und Wiederholung stören? Forderung seitens Tilo Wirtz und der Gestaltungskommission an Bauherr und Architekt: Lassen Sie die Gebäude unterschiedlich aussehen. Das kann sogar im gegenseitigen Nehmen und Geben stattfinden: man sprach dem Bauherren ein Stockwerk mehr zu, wenn er sich der besseren Gestaltung offen zeigt. Wir unterstützen die Anmerkungen der Gestaltungskommission deutlich.

TOP 3 – Endbesprechung zweier Großbauten an der Großenhainer Straße 1-3 und 5-7

An Stelle des noch bestehenden Porsche Autohauses und der Brache kommen zwei Großbauprojekte für Büro, Hotel und wenig Wohnen. Nachdem der palaisartige Charakter aus der zweiten Runde von Seiten des Baubürgermeisters und Teilen der Gestaltungskommission kritisiert wurde, wurde nun ein reduzierter Bau, der eher an Industriebauten erinnert, als abschließender Entwurf vorgestellt. Nun unbedenklich passiert dieser so die Gestaltungskommission und kann gebaut werden. Wir finden zwar den letzten Schritt als einen zu viel, aber der Entwurf ist solide und für den Standort durchaus umsetzbar.
Das Nachbargebäude wird nur ein Bürostandort und ist ebenfalls als solider annehmbarer Entwurf zu werten. In Sockelgeschoss (dunkel verklinkert), Baukörper (Putz weiß) und Dach (schwarze Ziegel) strukturiert hat dieser sogar gesprosste Fenster und eine Anlehnung an ein 90er Jahre Stilmittel: eingesetzte Glaskuben als Art Loggia in Höhe der Traufe (Vergleichbar mit dem Carolineum am Carolaplatz – nur weniger dominant). Fazit: Solide, annehmbar, akzeptabel. Für den Schwenk über die Hansastraße entlang des stillgelegten Bahnbogens müssen aber kreativere Lösungen gefunden werden. Das klang auch vom Baubürgermeister an, als das Projekt erstmals vorgestellt wurde.

TOP 4 – Baukörperstudie letzte große Freifläche am Kulturkraftwerk Mitte

Die DREWAG möchte bauen. Auf Ihrem Grundstück auf dem Gelände des Kulturkraftwerkes, speziell die Freifläche an der Ehrlichstraße/Ecke Könneritzstraße – derzeit als Parkplatz genutzt. Architekt Alexander Poetzsch stellte in einer sehr guten Präsentation vor, wie er zu seinem Ergebnis kam. Resultat ist ein blockrandartiger Bau, der geteilte Innenhöfe und einen neuen Hochpunkt bekommt und im Innenbereich des Geländes einen kleinen rechteckigen Platz ausformt. Dieser Hochpunkt war auch gleichzeitig das Thema, was für die meisten Kommentare sorgte. Die Präsentation war sich dieses Effektes bewusst, kommt sie doch zum Unzeitpunkt bevor die Debatte um das Hochhauskonzept beendet werden konnte. Um den größten Bedenken Abhilfe zu schaffen, wurden mehrere Varianten angedacht und gleichzeitig Blickbeziehungen dargestellt. Der Turm wurde mit drei Höhen vorgestellt: 35m (2m höher als der vorhandene benarchbarte Bühnenturm), 44m (was in etwa die Höhe des Verwaltungszentrums am Ferdinandplatz sein wird) und 55m (was ca 10m niedriger als die Hochhausbauten an der Freiberger Straße sein dürfte). Bemerkenswert ist, dass bereits ein Mieter in den Startlöchern steht, welcher 25.000 m² BGF anvisiert – und seitens der DREWAG wird nun auf zügige Abwicklung gedrängt um diesen nach Dresden holen zu können. Zwei positive Aspekte die bei aller Freude über Neubau und Arbeitgeber etwas die Stimmung trüben, wenn man Sie als Druckmittel nutzt um eigne Vorstellung zu schnell „durchzupeitschen“.

Wir finden dass Herr Poetzsch einen soliden, sehr gut durchdachten Entwurf abgeliefert hat, der bisher nur die Baumassen absteckt. Positiv ist der Hochpunkt zu bewerten, greift er doch die vor Ort vorhandenen Turm und Bühnenbauten auf und ergänzt diese. Gleichwohl sind Einwirkungen in die Silhouette zu betrachten, erschienen aber in der ersten Studie als unbedenklich. Die DREWAG will auch in dieser Form einen repräsentativen, besonders ansprechenden Abschluss für das Gelände schaffen, der gleichzeitig einladend und strahlkräftig zugleich ist. Eine Referenz an die abgerissene Aurora wurde ins Gespräch geflochten – eine Idee, die es durchaus wert ist, weiterverfolgt zu werden. Von Seiten der Gestaltungskommission wurde angemerkt, dass es keine gesichtslosen Glasbauten sein dürfen und man vielleicht versucht so zu planen, dass man das Hochhauskonzept abwartet und gegebenenfalls schnell abändern oder nachbessern kann – was im Sinne des zukünftigen Mieters sein müsste. Vorteil bei Gestaltung und Architektur (welche in gesonderten Wettbewerben entschieden werden) ist, dass die DREWAG refinanzierend bauen kann, ohne auf Rendite in erster Linie setzen zu müssen.

http://www.dnn.de/Dresden/Lokales/Kraftwerk-Mitte-soll-einen-Turm-erhalten

Fazit:

Auch in der vierten öffentlichen Sitzung der Gestaltungskommission werden noch Projekte vorgestellt, die ohne das Einwirken dieses Gremiums der nichtssagenden Beliebigkeit verfallen wären. Es scheint weiterhin, dass sowohl Mut als auch Gespür für die Umgebung und Dresden fehlt. Dass der Architekt zwar seinem Auftraggeber verpflichtet ist, aber eben auch der Stadt und der Stadtgesellschaft muss auch weiterhin missionarisch verbreitet werden. Und so bietet dieses Format eben nicht nur die Möglichkeit zuzuschauen, sondern tatsächlich auch mit Teilnehmern und Vortragenden ins Gespräch zu kommen. Jeder der Interesse hat sollte dies nutzen. Denn trotz aller Öffentlichkeit hat man in dieser Sitzung eines deutlich wahrgenommen: Das Stadtplanungsamt überschreitet deutlich die Funktion als verwalterisches Gremium indem es Bauherren gern die eignen Parameter von „schöner Gestaltung“ aufdrängt. Anders sind die mehrfach aufgekommenen Wortmeldungen: „Das haben wir im Vorgespräch mit dem Stadtplanungsamt so abändern müssen.“ oder „Das wollte Frau X und Herr Y vom Amt eher so haben, obwohl wir uns das anders gedacht haben.“ oder „Nach Vorstellung im Stadtplanungsamt verfolgen wir gemeinsam das Flachdach.“ nicht mehr zu interpretieren.

Wir bleiben dran und versuchen das Schöne weiterhin in dieser Stadt wieder lebendig werden zu lassen. Auch wenn man dafür teils mächtigeren Entscheidungsträgern immer wieder erklären muss, dass einheitlich nihilistisches Grau mit Flachdach kein wünschenswertes Gestaltungsmittel für Dresden ist!

Das könnte Dich auch interessieren …

Diese Seite benutzt Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmen Sie dem zu. Datenschutzerklärung