Pressemitteilung: Bebauung Ferdinandplatz und Technisches Rathaus

Pressemitteilung Bebauung Ferdinandplatz und Technisches Rathaus vom 31.07.2017
Im Zuge der Erweiterungsvorhaben der städtischen Verwaltung, in Form eines neuen Technischen Rathauses, schließt sich eine der letzten Nachkriegslücken im innerstädtischen Bereich.
Mit dem Evaluierungsverfahren zum städtebaulichen Konzept Georgplatz/ Ferdinandplatz wurde durch ein Wettbewerbsverfahren der Versuch unternommen die besten Ideen zu sammeln und den überzeugendsten Entwurf zu küren.
Lediglich sieben handverlesenen Architektur-Büros war die Teilnahme gestattet. Die Auswahlkriterien und das Verfahren selbst blieben, trotz öffentlichen Interesses und des Bauvorhabens aus öffentlicher Hand, gewohnt intransparent.
Die Jury, bestehend aus Gutachtern, Eigentümern, Stadträten und Fachamts-mitarbeitern tagte ebenfalls – wie zu erwarten war – unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Der Entwurf des Architektenbüros „Barcode Architects“ aus den Niederlanden, konnte die Jury überzeugen; er zeigt ein geteiltes Areal mit insgesamt drei Baubereichen, welche als Blöcke bezeichnet werden können.
Ein Komplex soll dabei direkt in Blockrandbebauung an die bisher offene Flanke des Karstadt-Gebäudes anschließen, einer zur St. Petersburger Straße und der Großbau Technisches Rathaus zum Georgplatz reichen.
Unter städtebaulichem Aspekt betrachtet, geht der Siegerentwurf in die richtige Richtung, es entsprechen Baumasse und Traufhöhe den Vorgaben, sofern diese für ein effizientes Nutzungskonzept an dieser Stelle von Nöten sind. Es wird nur noch mit einer Straße von Nord nach Süd geplant, anders als in einer früheren Variante, die eine zweite Straße vorsah.
Durch die Baumassen wird somit das alte Straßennetz abgebildet, es werden zwei, statt einer Platzsituation geschaffen, die Straße wird nur marginal nach Norden verschoben und der geschichtliche Bezug wenigstens darin wieder aufgenommen. Die Idee, mit einem Turm den Georgplatz zu gestalten, erscheint durchaus spannend, bedürfte aber unserer Ansicht nach, einer anderen Umsetzung.
Generell vermag der Barcode-Entwurf die Kriterien nicht zur Gänze zu erfüllen, mit denen ein funktionierendes innerstädtisches Gefüge generiert werden kann.
Hauptkritikpunkt ist der überbordende Einsatz von Glas als einziges Fassadenmaterial des Technischen Rathauses, welches eine Fassadengestaltung ausschließt. Eine Glas-Fassade besitzt durch ihre Material-Sprache eine kalte, abweisende Ausstrahlung und erzeugt somit kein Umfeld mit Verweilqualität. Als Beispiel wäre der Nordbau der Gläsernen Manufaktur zu nennen. Für einen repräsentativen Bau an dieser markanten Stelle ist die architektonische Äußerung zu überdenken. Die Frage, ob es unter ökologischen und ökonomischen Gesichts-
punkten noch zeitgemäß erscheint, den Werkstoff Glas in solchen Dimensionen einzusetzen, muss an dieser Stelle bezweifelt werden. [Folgekosten durch Außenreinigung, Beschattung, Klimatisierung, Software zum Öffnen Der Fenster, Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht durch erhöhtes Risiko]
Ein weiterer Kritikpunkt ist das Fehlen jeglichen Bezuges zum historischen Neuen Rathaus mit seiner klassisch gestalteten, warmen, wenn auch skulptural nachkriegsreduzierten Sandsteinfassade.
In seiner bewusst kantigen, klotzigen, gedrungenen und monoton gehaltenen Erscheinung, lässt der Barcode – Entwurf des Technischen Rathauses jegliche Form von Eleganz und Liebe zum Detail, etwa durch Kleinteiligkeit oder Fassadendekor, vermissen. Die von der Jury gekürte Variante zelebriert bewusst den Bruch, verweigert den Dialog mit dem urbanen Umfeld (Rathaus) und verhindert dadurch zukünftig eine dringend notwendige Ensemble-Wirkung „Neues Rathaus / Georgplatz / Külzring / Promenadenring“.
Sollte der städtebauliche Entwurf zum Rahmen für eine architektonische Detailplanung werden, bedarf es noch deutlicher Veränderungen und Verbesserungen bei den Architekturen als solche.


Ein Diskussionsbeitrag von StadtbilDDresden

Der Ansatz unseres Alternativ-Entwurfes geht in eine andere Richtung, in dem er die Wünsche vieler Dresdner aufgreift und konsequent einarbeitet:
Dies bedeutet konkret: Hinwendung zu einer regionaltypischen, kleinteiligen Architektur, die durch Formen-Vielfalt ein lebendiges, abwechslungsreiches Umfeld generiert, welches nicht nur als Funktions- sondern auch als Verweil- und Lebensraum Verortbarkeit schafft.
Der Vorkriegszustand, mit seinen weltweit berühmten und hohen Qualitäts- Maßstäben, bildet in diesem Zusammenhang die Grundlage.
Angesicht der Tatsache, das keines der am Wettbewerbsverfahren teilgenommenen Büros diesen hohen gestalterischen Ansprüchen Rechnung zu tragen vermag, haben wir uns in unserem Gegenwertwurf für eine Formensprache entschieden, die keinem banal und überholten, an einen zurückliegenden Modetrend gebundenen Leitsatz das Wort redet, sondern eine Dresden-typische, zeitlos-klassische Architektur als stadtbildprägendes Gestaltungsmittel bevorzugt. Damit sei der Versuch unternommen, den Stadtraum im Grundgedanken verstärkt wieder als Kultur-Raum zu begreifen. Eine Re-Urbanisierungsmaßnahme wie am Ferdinandplatz/Georgplatz sollte in diesem Sinne nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet, sondern als Chance für eine Kultivierungsmaßnahme im Lichte einer bürger-freundlichen Politik gesehen werden.

Im Einzelnen bedeutet das:

  •  Architektur als stadtbildprägendes und stadtraumgestaltendes Element verstehen, neu und undogmatisch denken.
  • Einsatz von Dresden-typischen Gestaltungselementen, wie Sandstein-und hellfarbiger Putz-Fassade, in kleinteiliger Strukturierung.
  • Vertikale Gliederung des Blockes an der St. Petersburger Straße und am Karstadt – eine Fassade nicht breiter als eine Parzelle
  • Eckbetonungen – besonders am Anbau des Karstadt
  • Klassische Formensprache, größtenteils auch historischer Prägung
  • Bildung abwechslungsreicher, klassischer Dach-Formen [Anm.: das Flachdach ist KEIN Gestaltungselement oder eine Dachform].
  • Baumassenstudie zu einem alternativen Entwurf von StadtbilDDresden

Baumassenstudie zu einem alternativen Entwurf von StadtbilDDresden


Zum städtebaulichen Ansatz von StadtbilDDresden:

Anders als die eingereichten Entwürfe ragt der Baukörper zum Georgplatz nicht in den Platz hinein, sondern rahmt diesen, in einer umschließenden Gebärde.
Im Gegensatz zu den anderen Entwürfen setzten wir auf die konsequente Abkehr von jeglichem Funktionalismus, unsere Überzeugung: ein öffentliches Gebäude darf als ein Symbol einer selbstbewussten Kultur-Metropole gefallen, es soll repräsentieren!

Unterschieden werden sollte zwischen dem einen Bau des Technischen Rathauses und den zwei begleitenden Baumassen: dem Anbau am Karstadt und dem Komplex an der St. Petersburger Straße.
So kann der Bau des Technischen Rathauses als Großkomplex gestaltet und geplant werden. Um selbigen zu fassen und einen lebendigen Stadtraum zu gewinnen, sollten diesem kleinteiligere Fassaden und Gebäudeentwürfe begleitend zugeordnet werden. Ein anziehendes Ensemble bedeutet immer die Kommunikation zwischen einem „point of view“ und der ihn umgebenden Bebauung.

Die Abkehr von Großkomplexen ist auch in Dresden bereits Konsens. Architekten wie Peter Kulka betonten dies bei der Vorstellung der Lingnerstadt. Trotzdem wird der Gedanke noch immer nicht mit dem notwendigen Mut umgesetzt: Keiner der Verfahrensteilnehmer besaß die Kreativität oder den Willen, die Herausforderung anzunehmen, und die begleitenden Blöcke vertikal kleinteilig und in der höhe differenziert in abwechslungsreichem Duktus zu gliedern. Notwendige und kreative Eckbetonungen sind leider vergeblich zu suchen
Dem zukünftigen Ferdinandplatz kommt die Rolle des Vermittlers zu: Er soll das neue Viertel mit der bestehenden Altstadtstruktur über die Pfarrgasse/Rathausgasse auf der einen Seite und der Konsummeile Prager Straße auf der anderen Seite verbinden. Dies kann nur dann funktionieren, wenn mit gestalterischen Mitteln Anreize geschaffen werden, die Touristen, als auch Dresdner zum Verweilen einladen.
Dieser Intention folgend, sieht unser Planungsentwurf einen kleinen, frei stehenden, im Stil der Dresdner Renaissance aufwändig-markant gestalteten Baukörper vor, der gastronomisch nutzbar, diese Aufgabe erfüllen soll.

Im Entwurf von Barcode Architects ist ein ebensolcher Anziehungspunkt noch möglich, indem man den nördlich entstehenden Teilplatz mit einer aufwendigen Pavillonarchitektur bereichert. Ein gesonderter Architekturwettbewerb unter Einbezug des Bürgers bei der Auswahl eines Favoriten, wäre geeignet, das Demokratieelement in Dresden bei Baufragen wieder zu festigen. Ein solcher Bau entspräche der Tradition der Pavillonbauten in Dresden, welche bis zur sozialistischen Ostmoderne reicht. Mit unseren Vorschlägen verfolgen wir weniger die Absicht der Plan-Umsetzung, als vielmehr den Versuch, zu zeigen, dass auch andere Wege möglich sind, und das es keine Verbote, sondern nur Gebote in der Hinwendung zu einer bürgerfreundlichen, zeitgemäßen Form des Städtebaus geben sollte.
Für weitere und zielführende Diskussionen über die zukünftige Gestaltung und Architektur der Bebauung des Ferdinand- und Georgplatzes, stehen wir jedem Beteiligten gern zur Verfügung.

Das Team von StadtbilDDresden – die Bürgerinitiative für Dresdner Baukultur

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