Positionspapier – Pirnaischer Platz

Unsere Vision für einen reurbanisierten und verdichteten Pirnaischen Platz

Anknüpfend an den Vorkriegszustand gilt es verkehrstechnisch, vor allem aber städtebaulich endlich die Herausforderungen anzunehmen, und mutig nach langfristig tragfähigen, und ganzheitlichen Lösungen für eine zeitgemäße Reurbanisierungsmaßnahme zu suchen. Unsere Ideen zeigen Ansätze, wie mit einfachen, aber konsequent umgesetzten Mitteln eine unwirtliche Verkehrskreuzung schrittweise wieder in einen PLATZ umgestaltet werden kann.
Hier sind als erstes die Dresdner aufgerufen, ihre Stimmen zu erheben, um gemeinsam mit Politik, Verwaltung und Investoren in einen OFFENEN und FAIREN Gedankenaustausch Ideen zu entwickeln.


Positionspapier Pirnaischer Platz 

Im Zuge der Diskussion um das Hochhaus am Pirnaischen Platz und der Planung zum Innenstadtring erscheint es aus unserer Sicht geboten, den Blick nicht nur auf die Zukunft eines höchst umstrittenen Gebäudes zu richten, sondern vielmehr den Fokus auf städtebauliche Ansätze zu lenken, mit dem Ziel an dieser Stelle ganzheitliche, tragfähige Ideen zu entwickeln und umzusetzen.

Zur Ausgangslage

Die derzeitige bauliche Situation des Pirnaischen Platzes zeigt ein Szenario, welches man in einer Großwohnsiedlung an der Peripherie, nicht aber an einem zentralen Knotenpunkt am Randes des kulturhistorischen Zentrums einer Landeshauptstadt und einer sich um den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ bewerbenden Stadt verorten würde. Aufgrund dieser Tatsache lässt sich ein unmittelbares Handlungserfordernis für die Neuordnung des Stadtraumes ableiten.

Der Pirnaische Platz in seiner derzeitigen Erscheinung ist lediglich als Verkehrsknotenpunkt und wahlweise als „Unort“

zu definieren. Großstädtisches Flair und Verweilqualität sucht man hier vergebens. Die leeren Flächen entlang der überbreiten St. Petersburger Straße und der Grunaer Straße nehmen den bedeutenden Baudenkmalen des kulturhistorischen Zentrums jeglichen Maßstab und koppeln die Pirnaische Vorstadt vom Zentrum ab. Die ineffektive Nutzung der Grundstücke zeigt bis heute eine Flächenverschwendung im großen Stil an, die sich auf das Aufbaugesetz von 1950, die im Zuge dessen durchgeführten Enteignungen von Grund und Boden und die städtebaulichen Ideologie der damaligen Zeit zurückführen lässt. Die Kunst- und Kulturstadt Dresden erscheint an dieser städtebaulich sensiblen Stelle als eine zerstörte und von einem missglückten Wiederaufbau gezeichnete Stadt, in der dem Autoverkehr bei der Gestaltung der Platzanlage ein weitreichender Vorrang eingeräumt wurde.

Das Vorhandensein von standardisierten Plattenbauten und Hochhäusern stellt gerade im Bereich der innerstädtischen Übergangszone die Unverwechselbarkeit des Dresdner Stadtbildes in Frage. Bauten desselben Typs wurden auch in anderen Städten der DDR errichtet, können somit nicht als explizit dresdentypisch (im Sinne von erhaltenswert) bezeichnet werden. Sie wirken kontrastierend und stehen punktuell der sich momentan unbedingt nötigen und verfolgten Reurbanisierung im Wege. Eine Sanierung des Hochhauses am Pirnaischen Platz mit einer Verbreiterung und Erhöhung, wäre demnach der völlig falsche Ansatz; die Chance auf eine zeitgemäße Form der Stadtreparatur wäre

damit auf weitere Jahrzehnte vertan.

Hochhaus am Pirnaischen Platz. Foto: Benjamin Bartho

Blick vom Hochaus auf den Pirnaischen Platz. Foto: Benjamin Bartho

Blick auf den Pirnaischen Platz. Foto: Google

Entwicklung zeitgemäßer Perspektiven

Im Grenzbereich des kulturhistorischen Zentrums liegend, kommt dem Pirnaischen Platz heute mehr denn je eine Vermittlerfunktion zu. Diese Aufgabe kann jedoch nur durch ein bewusstes Anknüpfen an den Vorkriegszustand gelöst werden. Dies gilt vor allem für städtebauliche Fragen, im geringeren Maße aber auch für Überlegungen hinsichtlich der Architektur. Die Verkleinerung der unbebauten Flächen durch bauliche Verdichtung (Blockrandbebauung/geschlossene Bebauung) sollte hier oberste Priorität genießen. Auf diese Weise ließe sich die Wirkung des Überdimensionierten und Maßstabslosen zukunftsorientiert korrigieren und in eine angleichende, entstehende Umgebung einbinden.

Aufgabe einer weitsichtigen Stadtplanung sollte es sein, am Pirnaischen Platz eine Übergangszone zu schaffen, um den gegenwärtig in der Pirnaischen Vorstadt vorherrschenden Siedlungsbau und die Altstadt zu verknüpfen und als städtebauliche Einheit erlebbar zu machen.

Die Idee den Platz durch eine Blockrandbebauung neu zu fassen, ihm durch anspruchsvolle regionaltypische Architektur weltstädtisches Gepräge zurück zu geben, erscheint vor diesem Hintergrund dringend angeraten. Die derzeit schmerzenden Kontraste und die Wirkung der insbesondere für Fußgänger wenig attraktiven Verkehrsschneise könnten zumindest abgemildert werden. Vor diesem Hintergrund sollte beispielsweise die Wiederbebauung des Mittelstreifens der St. Petersburger Straße zwischen Pirnaischem Platz und Rathenauplatz in Erwägung gezogen werden.

Angemessene Strukturierung und Höhenentwicklung

Zum Schutz der Einzigartigkeit der Silhouette der Altstadt ist eine angemessene Höhenentwicklung der Bauten vorzusehen und für das Stadtbild auf den Maßstab der Platzstrukturen und Straßen zu achten. In diesem Sinne ist auch die Entwicklung des gesamten Bereiches bis zum Rathenauplatz schrittweise voranzutreiben. Eine Wiedergewinnung des historischen Straßenverlaufes der heutigen St. Petersburger Straße erscheint an dieser Stelle leider nicht möglich, ist aber für Maßnahmen zur Neu

gestaltung auch nicht zwingend notwendig.

Weitsichtige Stadtentwicklung oder kurzsichtiges Profitdenken?

Das Verfolgen rein ökonomischer Interessen muss an dieser Stelle zu recht kritisch hinterfragt werden, kann es doch unter aktuellen Umständen an dieser exponierten Stelle wohl kaum eine langfristig zufriedenstellende Lösung geben.
Wir halten den Ansatz, die architektonischen Bausünden aus sozialistischer Zeit zu konservieren für falsch. Hingegen kann die Rückbesinnung auf den Genius Loci der Stadt ‒ den unverwechselbaren Geist des Ortes ‒ zeitgemäße und langfristig zufriedenstellende Lösungen bieten. Dies kann jedoch nur mit einem klaren Bekenntnis zur eigenen Bautradition erfolgen, ein Bekenntnis, welches sich durch einen ausgeprägten Gestaltungswillen und Mut zum Außergewöhnlichen manifestiert. Stadtplanung dabei wieder als einen kulturschaffenden Prozess zu begriffen, ist unser ambitioniertes Ziel. Dies sollte auch Ziel einer zukunftsorientierten Stadtverwaltung sein.

Den Stadtraum wieder als Kulturlandschaft begreifen

Die Rekonstruktion des ehemaligen Kaiserpalastes (als Leitbau) sollte in diesem Zusammenhang als Option unvoreingenommen geprüft werden. Ein Gebäude in dieser extravaganten, anspruchsvollen Formsprache wäre dazu geeignet, einen imposanten, mutigen Akzent im Sinne einer entideologisierten Stadtreparatur zu setzen. Als Pendant zum trutzigen Bau des Polizeipräsidiums könnte hier etwas Einmaliges entstehen, was in seiner verspielten, beeindruckenden Ausdrucksweise eine stadtbildprägende und selbstbewusste Strahlkraft entfalten könnte. Ergänzend zu einer Rekonstruktion des Kaiserpalastes wäre an dieser Stelle eine Blockrandbebauung in kleinteiliger, ortstypischer Prägung mit revitalisierender Mischnutzung denkbar.

Die Stadt Dresden besitzt die historische Chance, im Zuge der mittelfristig anstehende

n Reurbanisierungsmaßnahmen am Pirnaischen Platz einen weiteren Abschnitt des grünen Promenadenringes zu verwirklichen. Diesen Planungsansatz der Stadt können wir unter stadtklimatischen und gestalterischen Gesichtspunkten nur begrüßen. Der Baumbestand und ein zusätzlich zu schaffender Grünstreifen, könnten als Fuß- und Radweg entlang der Nord-Süd-Achse dienen. In der Wechselwirkung mit einer kleinteiligen Architektur könnte ein Platz mit hohem Wiedererkennungswert und hoher Verweilqualität geschaffen werden.

Zur Ausarbeitung eines entsprechenden verkehrsplanerischen Konzeptes erscheint es im Vorfeld sinnvoll, zeitnah zu diesem Thema eine Machbarkeitsstudie anzustreben;
daran anschließend könnte dann ein internationales Wettbewerbsverfahren die besten Ideen liefern.

Neue Ansätze wagen!

Im Zuge einer öffentlich zu führenden, fairen Debatte, ist es unsere Intention, die Freude am städtebaulichen Gestalten als ein demokratischer Prozess wieder zu entdecken und im Sinne hoher gesellschaftlicher Akzeptanz zu nutzen.
Die lang bestehenden Nachkriegsdefizite wie sie am Pirnaischen Platz in Erscheinu

ng treten, müssen endlich zeitgemäß gelöst werden. Der Mangel an planerischer Vorarbeit muß als Zeichen totaler Visions- und Anspruchslosigkeit endlich überwunden werden.

Stadtrat und Verwaltung sind unter Einbezug der Stadtgesellschaft aufgefordert:

a) Visionen zum Gebiet im Zuge einer öffentlich zu führenden Debatte zu diskutieren,
b) Potenziale durch Ideenwettbewerbe auszuloten, um
c) letztlich zu einer verbindlichen Rahmen- und Bebauungsplanung zu kommen.
d) Aufnahme von Einzelforderungen der bürgerlichen Interessengruppen (wie StadtbilDD)

Wir sehen hier in erster Linie Herrn Oberbürgermeister Hilbert in der Pflicht, durch entsprechende Anträge gemeinsam mit Politik und Verwaltung, das Thema aufzugreifen, um die geplanten Sanierungsarbeiten am Hochhaus Grunaer Straße 5 auszusetzen und mittelfristig die oben genannten Schritte zur Neugestaltung des Pirnaischen Platzes einzuleiten. Alle in diesem Zusammenhang stehenden Entscheidungen müssen transparent kommuniziert werden. Dies gilt vor allem für die Vorgaben und die Ausarbeitung eines Rahmenplanes im Zuge eines anzustrebenden, öffentlichen Wettbewerbs für den gesamten Platzraum, sowie die angrenzenden Zonen Rathenau

platz und Georgplatz.

Für alle Schritte dieses Prozesses stehen jedem Beteiligten die Überlegungen der Bürgerinitiative StadtbilDDresden zur Verfügung.

Vorschläge zur Stadtraumgestaltung des Pirnaischen Platzes
Folgende Visualisierung zeigt die Ideen von StadtbilDDresden, welche den Pirnaischen Platz in seiner Form für die Zukunft fit und wieder für den Menschen erlebbar machen können. Der Bereich des derzeit noch existenten Hochhauses wurde von uns durch eine Blockrandbebauung ersetzt, welche durch einen teilweisen Rückbau und moderne Ergänzung des Bestandsgebäudes erreicht werden kann. Positive Beispiele gibt es für einen solchen Prozess bereits in Berlin und Leipzig. Synergieeffekte wären, dass die Silhouette der Stadt von diesem Bau freigestellt würde und es entstünde mehr Wohnraum, welcher gleichzeitig das Stadtgefüge an dieser Stelle positiv korrigieren könnte.

Die schwarzen Gebäude sind bereits existierende Bauten. Markant das Polizeipräsidium, das Kurländer Palais, die Wohnbauten an der Grunaer Straße und das Carolinum.

Baumassenstudie


Vorkriegszustand

Foto: http://www.deutschefotothek.de

Fotos: http://www.deutschefotothek.de


Der Pirnaische Platz nach der Zerstörung

Foto: http://www.deutschefotothek.de

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