Positionspapier – Neustädter Markt

Visionen eines neugeordneten, kleinteiligen und urbanen Stadtgefüges

POSITIONSPAPIER NEUSTÄDTER MARKT –
Ergänzung zur Rahmenplanung des Stadtplanungsamtes von 2010 zum Neustädter Markt.

Im Zuge der Neugestaltung des Neustädter Marktes ist es uns als Bürgerinitiative ein Anliegen durch unser Positionspapier einen alternativen Planungsentwurf in die Diskussionen mit einzubringen, der Anregung zu einer zeitgemäßen Lösung an dieser städtebaulich sensiblen Stelle geben soll.


Unsere Visionen für den Neustädter Markt

Zeichnung: P. Jeyabalan

Entwicklungen bis 2025

Um sich mit dem gestalterischen Diskurs des Neustädter Marktes auseinander zu setzen, lohnt es sich, diesen in Teilbereiche zu untergliedern. Eine logische Spaltung der zu betrachtenden Bereiche wäre eine Teilung des Areals in vier Segmente mit den Achsen mittig zur Augustusbrücke/ Hauptstraße und der Großen Meißner Straße/ Köpckestraße

Hierbei entstehen folgende Felder:

  • Quadrant I
  • Quadrant II
  • Quadrant III
  • Quadrant IV

Nordwestlicher Bereich des Neustädter Marktes mit den Plattenbaukomplexen ab dem Bereich „Watzkes Brauereiausschank“ bis zur SB-Filiale der Ostsächsischen Sparkasse. Raumeinnehmend ist der Brunnen aus der Umbauzeit in den 1970er Jahren.

Nordöstlicher Bereich mit den gespiegelten Plattenbaukomplexen und ebenfalls einem baugleichen Brunnen bis zum Jägerhof.

Südöstliche Frei- und temporär als Biergarten und Parkplatz genutzte Fläche zwischen Augustusbrücke und Ministeriumsgebäude.

Südwestlicher Bereich zwischen Elbe, Augustusbrücke, Blockhaus und Hotel Bellevue.

Der gesamte benannte Bereich des Neustädter Marktes, welcher alle vier Quadranten umfasst, war schon mehrfach Gegenstand der Planung und soll nun endlich im 21. Jahrhundert zur Gänze gestaltet und den Menschen möglichst nutz- bringend mit hoher Aufenthaltsqualität ertüchtigt werden. Hierzu wurden in jüngster Zeit Modelle vorgestellt, wie etwa das Stadtteilmodell des Neustädter Marktes von 2010, welcher grobe und zu unterstützende Züge der Zielvorstellungen sichtbar machte. Im nördlichen Bereich hat sich an den Gestaltungsgrundsätzen nichts geändert und wird auch von einer Mehrheit favorisiert.

Durch die Interessenlage und Willensbekundung der Bürger von Dresden, das Narrenhäusel wieder aufgebaut zu wissen, hat sich die Lage im südlichen Areal des Marktes geändert. Zukünftige Planungen sind daran zu orientieren, ein erster Schritt dazu ist der Bebauungsplan 3018.

Im Folgenden sollen Einlassungen und die Position der „Bürgerinitiative StadtbilDD“ zu allen Überlegungen und Planungen, das gesamte Gebiet betreffend, dargelegt werden.

Blick über den Neustädter Markt, 23.08.2011 Foto: Harald Anders

Quadrant I

Voraussetzungen:

Geprägt wird dieses Areal durch den Plattenbau, welcher im Zuge des kompletten Umgestaltens des Neumarktes bis 1979 errichtet wurde. Ursprünglich als Zwillingselement als „Eingang“ zur Hauptstraße ersonnen, wurde dieser „Effekt“ und diese Absicht mit der Sanierung des frontalen Baus 20XX zerstört. Der rückwärtige, nach Westen verlaufende Teil des Baues befindet sich in sanierungsbedürftigen Zustand. Dieser Umstand zieht sich in den angrenzenden Bauten bis zum Palaisplatz, entlang der Großen Meißner Straße, fort.

Vor diesem Plattenbau befindet sich ein Brunnen aus der Umbauzeit, welcher funktionstüchtig, aber deutlich sanierungsbedürftig ist. Ein Baumfeld zum Goldenen Reiter sperrt dieses Element vom Mittelpunkt des Platzes optisch ab. Auf der Ostseite des Marktes befindet sich ein baugleicher Brunnen.

Zu beachtende Besonderheiten: Spolien der Vorgängerbebauung, eingelassen in den Plattenbau.

Vorschläge

  • Der Rahmenplanung des Stadtplanungsamtes von 2010 zum Neustädter Markt kann man in diesem Bereich zustimmen.
  • Ein Durchbruch zur Rähnitzgasse sollte unbedingtes Ziel sein.
  • Ebenso sind die anvisierten, neu geplanten Baukörper als solche zu befürworten.
  • Vervollständigung des Blockrandes und die ästhetische Aufwertung der Fassaden der Bestandsbauten ist anzustreben.
  • Geplante Neubauten, welche ein symmetrisches Element auf der östlichen Seite des Platzes haben werden, sollten sich der vorhandenen Gebäudehöhen unterordnen, kleinteilig aufgestellt sein und von feingliedriger Fassadenstruktur zeugen.
  • Dominante, dem Ensemble widersprechende, Solitäre sind zu vermeiden.
  • Orientierungselemente sind der Goldene Reiter, das Blockhaus sowie Brunnen und Allee derHauptstraße.
  • Zu planende Gebäude sollten in der Höhe unter allen Umständen eine Verjüngung der Baukörper haben. Vorzugsweise in Form gedeckter Dächer.

Das historische und wertvolle Barockviertel wird durch den Plattenbau vom Neustädter Markt abgeriegelt. Ein Durchbruch zur Rähnitzgasse sollte unbedingtes Ziel sein.

Durchbruch zur Rähnitzgasse Foto: http://archlab.de

Durchbruch zur Rähnitzgasse Foto: http://archlab.de


Quadrant II

Voraussetzungen:

Der vormals baugleiche, gespiegelte Bau, welcher diese Seite dominiert, ist ebenfalls im Bereich des Kopfbaus zur Hauptstraße nach der Sanierung 20XX dieser Funktion entledigt worden. Ihm schließt sich ebenfalls ein Bau an, welcher nach Osten den Platz weiträumig abgrenzt, aber in ungleich desolaterem Zustand vorzufinden ist.

Ebenso der Brunnen, welcher außer Betrieb gesetzt wurde.

Gleiches Schicksal gilt dem rückseitigen Keramikbrunnen. Der Auf- und Abgang des Neustädter Tunnels ist im Rückbau und wird den Platz nicht mehr stören. Der Jägerhof, das Volkskunstmuseum hat in dieser Anordnung die Position in einem Hinterhof verortet zu sein und wird so jeglicher Aussage und Präsenz enthoben.

Zu beachtende Besonderheiten: Spolien der Vorgängerbebauung, eingelassen in den Plattenbau.

Vorschläge

  • Die Anbindung an eine zukünftige Fußgängerbrücke Augustusbrücke, sollte optisch geschmeidig verlaufen – sowohl in den Gebäudefluchten, als auch in der zu planenden Straßen- und Haltestellenkonstruktion.
  • Geplante Neubauten sollten unbedingt baugleich und symmetrisch am vorhandenen Platz ausgeführt werden.
  • Bei den Vorschlägen der Stadtplanung zum Raum-, Gebäude- und Wegekonzept in diesem Bereich ist von uns vollste Unterstützung zu erwarten.
  • Einzelne Architekturen sollten sich strikt von gegenwärtiger Bauherrenarchitektur abheben und dem Platz angemessen, repräsentativ gestaltet werden.
  • Spolien und Brunnen können im blockinnenliegenden Raum, welcher neu entstehen wird, wieder eingeplant und ertüchtigt werden.

Quadrant III – „Narrenterrassen“

Voraussetzungen:

Weitestgehende Brachfläche mit Hauptnutzung als Parkplatz und Biergarten mit portabler Holzhütte. Der Zugang zum Neustädter Tunnel ist verschlossen, die Anlagen befinden sich in Vorbereitung eines Rückbaus im Zuge der Neuerschließung des gesamten Gebietes. Die Treppe zur Augustusbrücke wurde kürzlich ertüchtigt.

Das Narrenhäusel ist immanenter Bestandteil zukünftiger Planungen und Nucleus für alle entstehenden Ideen und Gebäudestrukturen in diesem Bereich.

Zu beachtende Besonderheiten: Kunstvolle Reliefs der Stadtwerdung Dresdens an der Wand des Tunneleingangs (Nitzsche, Wanitschke, Ponndorf, Makolies) , sowie das Material des Tunnels selbst. Ebenso eine Skulptur des Hofnarren Fröhlich von Heinrich Apel, und das Scrafitto von Hans Nadler.

Vorschläge

  • Das Narrenhäusel ist als Dimensionsmaßstab für sämtliche angrenzenden Bebauungen zu betrachten.
  • Zum Ministerium sind diese Gebäudestrukturen ansteigend und hinführend zu entwickeln.
  • Fassadenentwürfe müssen sowohl zur Köpckestraße, als auch zur Elbe höchst repräsentativ undwohlgestalt entworfen werden.
  • Eine Einheit in der Divergenz und Abwechslung (Höhe, Stockwerkszahl, Dachform, Fassadenfarbe, Fassadenrelief/-aufriss), ein Ensemble ohne gleichmachende, uniforme Bebauung ist zwingende Zielvorstellung.
  • Formensprache der Gebäude sollte die Einheit zwischen Historie und Gegenwart leisten können.
  • Einzelne Gebäude und Grundstücke sollten nicht über die Dimension der verorteten Parzelle/Flurstücke im Katasterregister hinausgehen.
  • Das zu planende Eckgebäude Augustusbrücke/Köpckestraße ist unbedingt als besonders einzustufen und sollte historische Bezüge zum Ursprung (Brauersches Haus, die Zeit) herstellen.
  • Das Anbringen der von Balthasar Permoser geschaffenen Skulptur des „Saturn“ (oder Zeit, Chronos, Tod) an der Ecke des Gebäudes, sollte Ziel eines jeden Bauherren vor Ort sein.
  • Zur Elbe sollte sich eine Gartengestaltung etablieren, welche dem Passanten öffentlich zugänglich sein muss.
  • Eine Tiefgarage im Bereich des heutigen Parkplatzes ist sinnvolles Ertüchtigungselement.
  • Kleinpalais und gering dimensionierte Einfamiliengebäude, können dem Ort zur Elbe hin einaufgelockertes Element hinzufügen.
  • Die räumliche Dimension der Baukörper darf den tiefengreifenden Raum des Ministeriums zur Elbe hin nicht überschreiten.

    geplante Rekonstruktion des Narrenhäusel Visualisierung: Arte4D, Andreas Hummel


Quadrant IV

Voraussetzungen:

Das bestehende Blockhaus mit anhängendem, elbseitigen Garten, eine Treppe als Zugang zu den Elbwiesen, eine als Parkplatz genutzte Freifläche zum Hotel Bellevue hin, sowie den bereits entfernten Eingang/Ausgang des Neustädter Tunnels vorm Blockhaus.

Das Blockhaus wird in naher Zukunft als Museumsstandort der SKD vom Freistaat neu erschlossen. Mit erhöhtem Besucheraufkommen ist daher zu rechnen. Vorschläge:

  • Der Vorplatz des Blockhauses kann neu gestaltet werden – Skulpturen, Brunnen oder Bäume wären dazu geeignet.
  • In Betracht gezogen werden sollte bei der Neuplanung, dass der Nachbau der Turmspitze des zerstörten Neustädter Rathauses einen repräsentativen Aufstellungsort bekommt.
  • Entlang des Bellevue und der Großen Meißner Straße sollte alleeartig Bäume gepflanzt werden
  • Die zu verwirklichende Gestalt der Bebauung zwischen Hotel Bellevue und Blockhaus ist unbedingt den Vorschlägen der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden zu diesem Teilbereich zu entnehmen.

Vorschlag der GHND, Visualisierung: Arte4D, Andreas Hummel

Nachbau der Turmspitze des zerstörten Neustädter Rathauses. Foto: GHND

aktueller Zustand


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Fotos: soweit nicht anderes angegeben, von Benjamin Bartho


eine ausführliche Fotogalerie zum Neustädter Markt -> https://stadtbildd.de/fotogalerie-neustaedter-markt/


Gesamtblick auf den Neustädter Markt


Neustädter Markt vor der Zerstörung 

http://www.deutschefotothek.de


weitere Informationen zum Neustädter Markt vom Stadtplanungsamt Dresden
https://www.dresden.de/de/stadtraum/brennpunkte/koenigsufer-neustaedter-markt.php

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