Kriterien für Dresdner Hochhäuser – Zwischen Realitäten und Zukunfstwünschen

Gestern gab es im Rathaus eine sehr informative Podiumsdiskussion zum Thema, wie Städte damit umgehen, Hochhäuser bauen zu müssen oder zu wollen. Mit Expertisen aus Ingolstadt, Köln, Frankfurt am Main und Wien konnte man sich unterschiedliche Herangehensweisen und Ergebnisse in der Debatte um Hochhausbauten erläutern lassen. Dabei war keinesfalls die ultima ratio in der Frage nach Hochhäusern gesetzt – was auch löblich an der Auswahl der Vortragenden ist. Von einem eher Hochhaus vermeidenden Plan (Köln), hin zu einem Hochhausbau Selbstläufer (Frankfurt) und dem Erstkontakt mit Hochhausbauten (Ingolstadt) war eigentlich jedes für Dresden denkbare Ergebnis vorgestellt worden.

Uns wird bisher aber immer noch nicht klar, was am Ende eigentlich für und in Dresden bei diesem Thema raus kommen soll?!

1. Die Altstadt und Silhouette soll und wird weiterhin von Hochhausbauten freigestellt und unbebaut bleiben. Das dürfte selbst bei den neoliberalsten Hinterzimmer Klünglern angekommen und Konsens sein.

2. In Dresden werden teilweise schon Hochhäuser gebaut, wenigstens aber geplant. Und das nicht wenige an der Zahl – OHNE HOCHHAUSRAHMENPLAN –

Das passiert zum Teil recht unkritisch, weil es der anrainenden Umgebung eher gut tut – wie am Nürnberger Platz.
Das passiert aber auch heftig und kämpferisch wie an der Florian-Geyer-Straße, wo ein Hochhaus verhindert wurde.

Hochhauspläne und Standortuntersuchungen gibt es dieserorts seit den 1920er Jahren. http://www.das-neue-dresden.de/…/bild…/hochhausstandorte.jpg – Adolf Muesmann wollte an neuralgischen Punkten am Festungsring bauen. 1947 verfolgte man diese Pläne weiter und verwirklichte nach Maßgabe der sozialistischen Stadt einige Projekte in späteren Jahren. Das schlimmste Ergebnis dürfte wohl das Hochhaus am Pirnaischen Platz sein.

Mit den bekannten Planungen heute und dem Wissen um die Vergangenheit, fällt es schwer zu glauben, das die Dresdner Bauverwaltung keine Pläne zu Hochhausbauten vorliegen hat. Wenigstens aber einer unkommunizierten Idee folgt: der „Hochhauskrone“ – entlang des 26er Ringes.

Die Indizien sprechen dafür:

– der immer wiederkehrende Charakter sozialistischer Stadtplanung im allgemeinen (Grunaer Straße, Herkulesallee)
– der schon ins patholgisch gehende, umgesetzte Wunsch jede Ostplatte und ostgeplante Standortstruktur erhalten zu müssen (St.Petersburger Straße, Neustädter Markt, Hochhaus Pirnaischer Platz)
– die geplanten Hochhausstandorte der Kreuzungsstraßen des 26er Ringes (bisher undefiniert: Packhof, Freiberger Straße, Sachsenplatz, konkret geplant an: Budapester Straße, Wiener Platz, Lennéplatz und in Umsetzung befindlich: Straßburger Platz)

Soll das alles nur aus akuter Nachfrage von Bauherren heraus Thema von B-Plänen sein? Soll das alles nur eine REaktion auf äußere Faktoren sein? Agiert man wirklich so vorausschauend blind? Schwer zu glauben, wenn man in jeder Stadtbilddebatte zu hören bekommt, dass den akademischen Graden der Entscheidungsträger den primitiven Expertisen der Autodidakten schon aus Obrigkeitshörigkeit einziges Gewicht zu schenken sei.

Angesichts dessen stellt sich eigentlich die Frage: Warum ein Hochhauskonzept, wenn doch sowieso die neuralgisch bedeutsamen Standorte für derlei Bauten fest stehen und beplant werden und kategorisch von einer Clusterung (wie von uns am WTC vorgeschlagen) Abstand genommen wird? Wo sollen denn NACH der Umsetzung der allein schon bekannten Pläne noch Hochhäuser das Stadtbild stören, wo es bisher noch keine Hochbauten gibt? In Loschwitz vielleicht? Die Stadplaner dürften doch schon sehr wagemutig sein, dort derlei auch nur zu denken.

Am Ende wird sich zeigen, ob das Resultat dieses Konzeptgedankens nur das abbildet, was sich in Dresden sowieso schon ereignet – damit quasi einen „Bewilligungsstempel“ erhält, oder ob die Pläne, sollten sie sich als störend herausstellen, wieder umgeworfen und korrigiert werden?!
Wir betonen gern, das wir nicht gegen Hochhausbauten agieren. Wir haben selbst schon Ideen dazu eingebracht. Wir fordern aber eine stadtbilderhöhende Umsetzung von Hochhäusern aller Art, sollten sie denn kommen, und an unkritischen Standorten. Am Ende hängt die Akzeptanz dieses Baukörpers in Dresden doch besonders von seiner Gestaltung ab! Noch mehr Quader auf der grünen Wiese darf es nicht geben – siehe Florian-Geyer-Straße.

Vielleicht sei der Gedanke in den Raum geworfen, bündelt man aber dann lieber doch endlich die Kräfte in ein vernunftbegabtes, gestaltungswilliges und korrogierendes Flächenmanagement?! Denn so zersiedelt Dresden ist, braucht es kaum den ökonomischen Druck in die Höhe bauen zu müssen, wie es angesichts der Enge Frankfurts vielleicht der Fall ist. Und so kommen wir zu der eigentlichen Frage über den Sinn oder Unsinn von Hochhausbauten in Dresden: Sind sie wirklich notwendig oder einfach nur ein Gimmick, dem der Zeitgeist (in regelmäßigen Abständen) folgt?!

https://www.saechsische.de/kriterien-fuer-dresdner-hochhaeuser-5021576.html

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