Die Architektur der Gebäude in Sichtweite des Zwingers sollten Weltniveau haben

…sagt Peter Großer, der Ex-Bauleiter des alten Fernmeldezentrums. Vorranging adressiert an die CG-Gruppe, die den Neubau plant, aber dieser Satz müsste als Überschrift für den ganzen Postplatz gelten.

Man mag aber schon sagen, dass diese Prämisse zu spät kommt. Die Neubauten rund um den Zwinger sind seit den 90er Jahren und akut in den letzten Zügen der Entstehung, bestenfalls unterer Durchschnitt. Fantasielose Architekturaussagen ohne Mehrwert bis hin zu komplett abzulehnenden (in DD aber üblichen) Großklötzen.

Leider hat man auch damals mit dem Fernmeldeamt diese Prämisse nur leidlich bedient und dessen Abriss ist deutlich zu befürworten. Aber zu DDR-Zeiten war Städtebau und Architektur auf Weltniveau eben ein Nischenprodukt. Zentralistische Planhoheit der Staatsmacht erzeugt eben noch keine zeitlos ansprechenden Stadtwelten. In Dresden leider exemplarisch aller Orten bewiesen.
Ohne Frage sind die Bauleistungen hervorzuheben und anzuerkennen – die Ergebnisse in der Frage von Ästhetik und städtebaulicher Attraktivität (und Sinnhaftigkeit) sind aber nur wenigen gut genug. 40 Jahre reichten, um der 700jährigen Baugeschichte Dresdens eine unheilvolle Bruchkante in der Architekturgeschichte und des Dresdner Städtebaus aufzuzwingen, die nur eine Minderheit weiterhin für erstrebenswert hält.

Die Aufgabe ist, die urabane Lebenswertigkeit wieder in Dresden zurückzuhohlen und ideologische städtebauliche (und bisher wissenschaftlich erwiesene) Fehler zu korrigieren. Dazu gehört auch das Trennen von „Dornen in der Haut“ – und dies kann mit dem Abriss des Fernmeldeamtes noch lange nicht zu Ende sein!

Für die Umgebung des Zwingers und dem Anspruch nach Neubauten auf Weltniveau bleibt aber leider nur noch eine geringe Chance: Das Grundstück zwischen Zwingerforum und Schauspielhaus. Jeder dort anzusiedelnde Neubau muss jetzt das kompensieren, was rundherum nicht mehr möglich ist: Anspruch, Ästhetik, Weltniveau. Der (Erwartungs-)Druck ist fast schon zu groß.

http://www.sz-online.de/nachrichten/letzter-blick-vom-alten-fernmeldezentrum-3906687.html

Foto: Benjamin Bartho

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