Das Fehlen von Sensibilität – mal 3.

An der Bautzner Straße wird sich in den kommenden Jahren einiges ändern. Die letzten Lücken auf der nördlichen Seite werden geschlossen. Drei Projekte werden das Gesicht des Straßenzuges verändern.

Um es kurz zu machen: KEINES überzeugt! Nein, sie sind in ihrer unsensiblen Architektur und dem verantwortungslosen Umgang mit bestehender Altbausubstanz in Gänze höchst fragwürdige Stadtbaupolitik, Architektur und Denkmalschutz.

Ecke Bautzner/Pulsnitzer Straße: Frau Pohl setzt einen Kasten im Kasten in einen Kasten an die Ecke. Laubengänge zur Hauptstraße an einem sonst zur Front geschlossenen Straßenzug – wie kann man sich so etwas als Architekt/in auch nur ausdenken? Der umgebenden Gründerzeit wird etwas absolut unpassendes hinzugefügt – ein Eckbau sogar als Eingang zum Lutherplatz. Prädikat: auch nach Umplanungen weiterhin schmerzhaft für jeden der die Einzigartigeit des Gründerzeitviertels Äußere Neustadt schätzt.

Bautzner Straße 73: Dem Denkmal wurde über wenige Jahre so viel mutwilligen Schaden zugefügt, bis man sich dessen endlich entledigen konnte. Der Eigentümer wechselte so oft, wie mancher seine Socken. Am Ende wurde dieser historisch bedeutsame Bau von der Denkmalliste gestrichen – ohne dass das zuständige Amt Sanktionen oder Konsequenzen gegen den aktiven Verfall verhängte.
Der Neubau bricht brutal mit den Nachbarfassaden und vermarktet und versiegelt die Hofseite bis auf den letzten Quadratzentimeter. Hier paaren sich der schmerzliche Verlust des Denkmals mit einer unmöglichen Entwurfsidee schlechtester Rubrik. Prädikat: es kommt einem städtebaulichen Verbrechen gleich.
p.s.: es wird schon wieder weiterverkauft…

Ecke Bautzner/Prießnitzstraße: Der größte und auch brutalste „Zugewinn“ an Bausubstanz in der ganzen Straße. Nicht nur, dass die Firsthöhe alle Umgebungsbauten überragt, nein es erschlägt förmlich in seiner Dimension den gesamten nördlichen Teil der Prießnitzstraße mit seinen meist zweistöckigen Stadtvillen. Sonnenlicht adé. Wie eine riesige Trennmauer von 7 Stockwerken, schiebt sich das Gebäude entlang der Bautzner Straße – die Fassade ähnlich der Altmarktgalerie auf der Wilsdruffer Straße. Schon zynisch dabei der Projektname: Pfund´s Höfe – es wird keinen Hof geben. Dafür ist das Gelände zu lukrativ auszuquetschen. Prädikat: Das Heck der Costa Concordia finden wir am Antonsplatz – den Bug in Zukunft in der Äußeren Neustadt.

In Gänze muss man allen drei Projekten attestieren, dass sie sich mit der Umgebung und dem Status der Äußeren Neustadt nie befasst haben. Sie haben nicht die Absicht das Viertel mit ihrer aufkommenden Existenz zu bereichern, sondern eher die Portemonnaies der Bauherren. Kein einziger Naturstein an einer Fassade, keine Gliederung nach Vorbild der Umgebungsbauten, kein regionaltypischer Ansatz, ja nicht mal eine richtige Dachform ist zu erkennen. In wenigstens zwei Fällen kann man (mal wieder) von einem zwanghaften Bruch mit dem Bestand sprechen.
Proteste werden nichts bringen. Man beruft sich im Stadtplanungsamt bei solchen Freveln gern nonchalant auf den §34 BauGB. Der in seinem Wortlaut genau diese Unmöglichkeiten verhindern sollte – im SPA in Dresden aber immer als Ausrede für jede ungenügende Entwurfsidee genutzt wird, um sie am Ende doch hinsetzen zu können. Man muss auch nicht erst erwähnen, dass Befürworter dieser Strömung an entscheidenden Stellen sitzen. Selbst eine Gestaltungskommission kann dem egomanen Schneid von Bauherren und Architekten nichts entgegensetzen. Auch kann man bisher bei allen Maßnahmen in der Dresdner Bauverwaltung und -politik nicht auf bessere Ergebnisse verweisen.

Es ist nicht mehr zu verhelen: Dresden braucht eine Gestaltungssatzung – jetzt mehr denn je! Negative Beispiele, die diese These unterstützen gibt es genug und werden augescheinlich weiter entstehen

https://www.tag24.de/nachrichten/dresden-baustellen-grossprojekte-bautzner-strasse-neustadt-480933

Foto: pohl projects gmbh

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.