Ein neues Stadtquartier für Dresden? | StadtbilDD

Ein neues Stadtquartier für Dresden?

10 Jul

Für 170 bis 200 Millionen Euro will die Arge Ostra Development, ein Zusammenschluss von Projektentwicklern um den Münsteraner Stadtplaner Hanno Höyng bis 2016 ein neues Stadtquartier mit vielfältigen Nutzungen aus der Taufe heben. Zumindest seitens der Politik steht dem Vorhaben nichts im Weg.

Die Öde des derzeitigen Mitarbeiterparkplatzes der SZ und der ungestalteten Freifläche vor dem Maritim-Hotel könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Auf dem etwa 29.000 Quadratmeter großen Areal soll nach Vorstellung der Arge Ostra Development im Auftrag des Verlages Gruner & Jahr, dem der Großteil des Grundstückes gehört, ein neues Stadtquartier entstehen. Die geplanten Nutzungen reichen von einer Kunsthalle über Galerien, ein Hotel, ein Theater, Wellness-Anlagen bis zu Wohnungen in Lofts und für Senioren sowie diverse gastronomische Angebote. Unter dem Quartier ist ein Tiefgarage geplant. Für die Kunsthalle zeigt angeblich bereits eine Sammlung von Weltrang Interesse.

Für den Entwurf sollen hohe architektonische Maßstäbe angelegt werden, was bei der exponierten Lage in Elbnähe und an der Marienbrücke als Tor der Fernbahn zur Dresdner Altstadt auch unbedingt notwendig ist. Zumindest die Namen der Architekten, darunter sind Namen wie Peter Wilson und Frank Gehry, versprechen eine gestalterische Qualität abseits der in Dresden so “beliebten” Investorenkuben.

Wettbewerb "Neue Terrasse" im Jahr 1997

Bereits in einem Wettbewerb im Jahr 1997 wurden erste Gedanken zur Neuordnung des Areals entwickelt. Allerdings wurde damals kein erster Preis vergeben. Der zweite Platz ging an das Büro Koch + Partner, München/Leipzig, dessen Konzept eine kompakte Blockrandbebauung vorsah. Allerdings wurde die beabsichtige vollkommene Neuordnung des Gebietes mit der Sanierung des Verlagshauses aufgegeben und vom Wettbewerbsentwurf blieb schließlich nur noch ein Torso übrig.

Stadtmodell, Erhalt des SZ-Hochhauses

Der neue Entwurf greift jedoch ein Hauptmerkmal des damaligen “Siegers” auf, indem das Quartier eine zentrale Sichtachse zwischen Schlossturm und Yenidze erhalten soll. Es ist eine abgestufte, maximal sieben Stockwerke hohe, Bebauung geplant, nur das 12-geschossige Hotel an der nordwestlichen Ecke soll mit 36 Metern eine maßvolle Höhendominante bilden. Insgesamt verspricht der Entwurf mit seiner Abfolge von Plätzen, der Sichtachse, der abgestuften Höhenentwicklung und den vielfältigen und teils besucherintensiven Nutzungen ein lebendiges Stadtquartier werden zu können. Hier bietet sich zudem Raum für die wahre moderne hochwertige Architektur ohne dass die Wiedererlangung der historischen Mitte um den Neumarkt und die Königstraße sabotiert werden muss.

Die Politik zeigt sich in Bezug auf das Vorhaben fast schon erschreckend einig, sowohl der Ortsbeirat Altstadt als auch der Bauausschuss haben das Projekt bereits abgesegnet und teils überschwänglich gelobt. Damit kann die Investorensuche intensiviert werden, immerhin bestehe laut der Projektentwickler eine hohe Nachfrage und neben der Kunsthalle gebe es mit einer spanischen Hotelkette auch für das Hotel bereits einen potenziellen Nutzer.

3 Kommentare zu “Ein neues Stadtquartier für Dresden?”

  1. Rob Berg 10. Februar 2013 um 15:58 Uhr

    Insgesamt ein sehr zu befürwortendes Projekt, sofern sich die eignen Ansprüche an Gestaltung und Architektur mit Hinblick auf Kostendruck realisieren lassen. Bisher ist mir dieses Vorhaben aber in der lokalen Presse noch nicht unter gekommen, so dass ich fast Vergleiche zu dem Projekt des Musicaltheaters am Ferdinandplatz ziehen möchte: Große Wort – Heiße Luft. Wie weit ist denn der Stand der Dinge? Und ist eine (fast schon unrealistische) Zustimmung der Stadtgremien wirklich schon endgültig gegeben? Und fällt denen nicht noch ne eierlegende Purpurfellfledermaus ein, die diverse nachträgliche kostenexplosive Auflagen und verzögerte Genehmigungsverfahren wie beim Lahmann-Sanatorium, ausbrechen lassen?

    Allein aus dem Text zu schlussfolgern, lässt sich eine grandiose Möglichkeit für den Dresdner Stadtraum und eine noch immens wertvollere Chance für die Vielfalt an Einzigartigkeit, Gefälligkeit und weit ausrufende Stadtarchitektur erahnen, welche in den letztjährig verwirklichten Maßnahmen in Dresden nicht mehr als das Glitzern im Auge des wünschenden Dresdners war.

  2. StadtbilDD 7. April 2013 um 23:43 Uhr

    Hallo Herr Berg,

    die nichts Gutes verheißende lange Pause seit der letzten Presseveröffentlichung zu diesem Projekt lässt tatsächlich vermuten, dass es hier Schwierigkeiten mit der Finanzierung oder der Akquise potentieller Nutzer für das Stadtquartier gibt. Nachrichten bezüglich dagegenstehender Naturschutzbelange oder inzinierter politischer Grabenkämpfe, die dem Projekt abträglich wären, sind uns jedenfalls nicht bekannt.

    Viele Grüße
    StadtbilDD

  3. Andre 11. August 2015 um 22:52 Uhr

    Wäre es denn nicht schöner kleinteiliger dieses Viertel zu entwickeln? Das ist ja die Lehre, die man aus anderen Geisterquartieren ziehen muss. Dresden braucht keinen Potsdamer Platz, also ein nachtödes Viertel ohne angemessene Mischung.

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