ABG-Bürogebäude am Haltepunkt Strehlen | StadtbilDD

ABG-Bürogebäude am Haltepunkt Strehlen

8 Apr

 „Einfügen in die städtebauliche Umgebung? – eine Phrase!“

Am S-Bahnhaltepunkt Strehlen entstanden in den letzen Monaten durch Bebauung von Brachflächen mehrere Neubauten. Dabei zeigt sich, dass gänzlich unterschiedliche Wege gegangen wurden, den Stadtraum zu ergänzen. Während einige Bauten bewusst die Annäherung an die weitgehend erhaltene historisch Struktur eines Villenviertels suchen, tritt der Neubau eines Bürogebäudes der Firma ABG als dominanter Eckbau diesem Gebietscharakter trotzig entgegen.

Die Beschreibung des Neubauprojektes auf der Internetseite des ausführenden Architekturbüros Zache klingt vielversprechend:

„Für die Dresdner Niederlassung der Steuerberatungs- und Wirtschaftskanzlei wurde ein moderner, klar strukturierter Baukörper geschaffen, der sich in die städtebauliche Umgebung einfügt.“

Wenn man sich jedoch vor Ort selbst ein Bild vom Neubau macht, fragt sich jedoch, was mit „einfügen“ gemeint ist. Es lassen sich keinerlei Anhaltspunkte finden, in welcher Weise ein Bezug zur Umgebung gesucht wurde. Weder die Fassadengestaltung, noch Kubatur oder Materialwahl lassen erkennen, dass sich das neugeschaffene Bauwerk an umgebende Bauten anlehnt. Wenn man die sich so ergebenden gänzlich kontrastierenden Gestaltung noch respektieren könnte, so ist es gänzlich unverständlich, weshalb das Bauwerk  auch in seinem Volumen als Fremdkörper in das Stadtviertel gesetzt wurde. Die vollkommen von der Umgebung abweichende Gebäudehöhe, welches bis zum Flachdach mit Vollgeschossen errichtet wurde stört in seinem jetzigen Erscheinungsbild massiv die anliegenden historischen Villen sowie die gerade neu entstandenen Eigenheimbauten. Die Harmonie des durchgrünten Stadtteiles wird durch den vollkommen überdimensionierten Baukörper in starker Weise konterkariert. Dies wird durch die flächig weiße Fassade noch verstärkt, wobei der Kontrast zum benachbarten Bahnhofsgebäude besonders drastisch ist. Man fragt sich, ob dies eine sinnvolle Form des Bauens im Bestand sein soll?

Angesichts der gebauten Realität, scheint der Begriff „Einfügen in die städtebauliche Umgebung“ zur Floskel und Phrase zu verkommen. Mit einem bloß technischen Verständnis – welches dem Denken unserer Zeit entspricht – ist man freilich nicht mehr überrascht, wenn selbst Fremdkörper in einen bestehenden Organismus eingefügt werden. In einer Stadt wie Dresden, die angesichts der durch Brüche und Kontraste geprägten Stadtfläche dankbar über jedes halbwegs intakte Stadtviertel sein sollte, ist es jedenfalls zumindest fragwürdig, ob die Anzahl von Fremdkörpern noch erhöht werden muss. Über Geschmack und Gestaltungsfragen kann man sicher streiten… Unstrittig ist jedoch, dass der Neubau des Unternehmens ABG dem Gebietscharakter in keiner Weise entspricht. Der sich offensichtlich an Gestaltungsidealen eines Plattenbaus orientierte massive Baukörper des ABG-Bürohauses kann in keiner Weise als gelungene Ergänzung des durch Jugendstilvillen und  Eigenheimbauten geprägten Stadtteiles angesehen werden. Dies ist insbesondere deshalb schade, weil in unmittelbarer Nachbarschaft Bauwerke mit wesentlich mehr Einfühlungsvermögen entstanden sind.

Neubauvorhaben der Sivia Baukonzept in der näheren Umgebung

 

Architeturbüro: Architekturbüro Zache

Bauträger: ABG Consulting-Partner GmbH & Co. KG

Ein Kommentar zu “ABG-Bürogebäude am Haltepunkt Strehlen”

  1. Hans-Udo Schultze 9. Juli 2014 um 12:03 Uhr

    Dies ist ganz genau auch meine Meinung als Leipziger!

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