Erweiterung des Amtsgerichts | StadtbilDD

Erweiterung des Amtsgerichts

24 Jul

Im Jahr 2009 begann der Anbau eines neuen Westflügels, der ab 2013 das Amtsgericht beherbergen soll, sodass am Standort Sachsenplatz / Lothringer Straße ein neues Justizzentrum entsteht. Als Bauträger fungiert der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), der 31 Millionen Euro investieren wird.

Am Sachsenplatz befindet sich eines der schönsten Verwaltungsgebäude Dresdens, welches glücklicherweise die Zerstörung der Stadt 1945 nahezu unzerstört überstanden hat und heute dem Sachsenplatz gegenüber den Plattenbauten auf der gegenüberliegenden Platzseite einen gewissen städtebaulichen Glanz verleiht. Der Altbau wurde im Stil der Neorenaissance in den Jahren 1888 bis 1892 nach dem Entwurf des Architekten Arwed Rossbach errichtet. Infolge der Kriegszerstörungen fehlte bis zuletzt lediglich der Westflügel des Bauwerks zwischen der Florian-Geyer- und Ziegelstraße, der nun bis 2013 wieder errichtet wird.

Nachdem am Neubau mittlerweile die Gerüste gefallen sind offenbart sich, dass der Neubau dem Standort nur teilweise gerecht wird. Bereits beim flüchtigen Blick wird deutlich, dass mit dem Neubau im Wesentlichen ein Bruch mit den Gestaltungsidealen des Altbaus betrieben wurde. Der klobige Neubau mit seinen schmalen und gedrängt wirkenden Fensterschlitzen wirkt gegenüber den auf Rundungen basierenden großzügigen Fenstern des Altbaus erschreckend abweisend. Es liegt der Eindruck nahe, die Obergeschosse würde nicht nur der Justiz, sondern eher auch der Justizvollstreckung dienen. Lediglich die gewaltigen Glasflächen in den beiden Untergeschossen stehen diesem Eindruck entgegen. Leider ergibt sich aus diesem Gegensatz kein spannungsvoller Kontrast, da die Gesamtproportionen einfach zu grob sind. Obwohl nahezu von identischer Baumasse, wirkt der Neubau deutlich klobiger, da die vertikale Gliederung und die Gestaltung der Dachzone des Altbaus in Form der Eckrisaliten keine Entsprechung am neuen Gebäude findet.

Wenig abgestimmte Gliederung von Alt- und Neubau

 

Die für Dresdner Verhältnisse wertvollen Gelegenheit, den Stadtraum anhand eines repräsentativen Altbaus behutsam weiterzuentwickeln, wurde durch den „unkooperativen“ Neubau leider nur unzureichend wahrgenommen. Allerdings kann man dem Gebäude zugute halten, dass zumindest das Fassadenmaterial stimmig ist und eine, wenn auch dezente, Gliederung verwirklicht wurde. Immerhin wirkt das Gebäude somit keinesfalls billig und die klare Fassadenteilung ist gegenüber manch einem Fensterdurcheinander prinzipiell wohltuend. Auch wenn man angesichts der ausgeführten Fensterform bestimmt nicht von einer zeitgemäßen Adaption der historischen Stilelemente sprechen kann, so wurde gleichfalls auf einen vollständigen Bruch mit der Vergangenheit verzichtet. Der Kelch einer grau-weißen Putzfassade mit Fensterbändern und Aluminium-Sonnenschutz ist glücklicherweise an uns vorübergegangen.

Trotzdem, wenn der kleinste gemeinsame Nenner die Gebäudehöhe und der Farbton ist, dann ist dies als Armutszeugnis für Stadtplanung und Architektur zu sehen. Eine Kunst- und Kulturstadt sollte hier eigentlich mehr Fantasie aufweisen, um ihrem Ruf dauerhaft gerecht werden zu können.

Monotonie der Westfassade

In Anbetracht der Tatsache, dass der Entwurf des Neubaus im Rahmen eines Wettbewerb ausgewählt wurde, stimmt wieder einmal besonders nachdenklich. Auch die anderen prämierten Teilnehmer konnten keine verträglichere oder ansprechendere Lösung aufzeigen. Im Ergebnis bekommt Dresden einen Neubau, der in seiner näheren insgesamt recht blassen Umgebung nicht sonderlich störend wirkt, der jedoch gerade zu seinem demgegenüber höchst attraktiven direkten Nachbargebäude auch wenig Bezug nimmt. Ein ordentliches Verwaltungsgebäude, mehr nicht.

 

2 Kommentare zu “Erweiterung des Amtsgerichts”

  1. Torsten 6. April 2013 um 19:15 Uhr

    Haben die Teilnehmer von Wettbewerben keine Ideen mehr oder lassen die Wettbewerbsvorgaben keine Freiräume für neue Ideen? Ich habe mich schon am Neumarkt gefragt wie das Gebäude das neben dem Kulturpalast gebaut werden soll gewonnen hat. Wenn das der erste Preis ist wie muss dann der 10. Platz erst aussehen?
    Mit Legosteinen kann jeder solche Gebäude bauen, ein Quader mit viereckigen Löchern als Fenster.

    • Cornelia Happ 13. September 2013 um 11:46 Uhr

      Sehr häufig sind die Wettbewerbsvorschläge die nicht den ersten Preis erhalten wesentlich– nun, sagen wir mal angenehmer und geeigneter–als die des jeweiligen Wettbewerbsgewinners. Der Entwurf der den 10. Platz erhält mag in den Augen mancher (Dir und mir, aber nicht der Jury) wesentlich besser sein als der Siegerentwurf.

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